Wer mich kennt, weiß dass ich schon seit dem Jahr 2003 für ein Reiseunternehmen unterwegs bin, derzeit agiere in einer Position als Reiseleiter im wunderschönen Land Polen. An der polnischen Ostsee fühle ich mich Pudelwohl, konnte dies durch steigende Buchungszahlen bestätigen, worauf die Region sehr viel Einfluss hat, ebenso aber auch meine Anwesenheit, das Koordinieren und Umsetzen von Aufgaben/Tätigkeiten.

Was macht man als Reiseleiter?

Oftmals wird es belächelt mit Zitaten wie: “Biste wieder Kinder hüten?” Das darf es auch, denn aus einer Betreuertätigkeit ist die heutige Position entstanden, damals habe ich viel Näher am Kind gearbeitet, heute verstecke ich mich unfreiwillig viel im Büro, weils es gemacht werden muss. Gerne setzte ich mich mit den Anfragen der Gäste (Kinder) und dem Team (Mitarbeiter) auseinander, bin glücklicherweise in Polen dazu in der Lage, andere Reiseziele mit einer größeren Anzahl von Gästen sehen niemals Ihren Reiseleiter, bzw. er nie alle Kinder.

Im Büro erledige ich folgendes:

  • erledige Verwaltungssachen
  • bin Ansprechpartner für unser Büro in Deutschland
  • bin Ansprechpartner für Dienstleister aus der Region Kolobrzeg
  • bin Ansprechpartner für Erziehungsberechtigte der Gäste
  • plane die kommenden Tage (Ausflüge, Programmpunkte, uvm.)
  • bearbeite Protokolle für Schäden und Krankheitsfälle
  • halte Kontakt mit Betreuern die anreisen werden oder da waren
  • bereite Besprechungen für das Team und die Gäste vor
  • behalte das Wetter im Auge
  • behalte die Bestellungen und Lieferungen im Auge
  • uvm.

Viele Betreuer hat man kennengelernt, von vielen wird man eifrig gefragt: “Hey Norman kann ich auch als Reiseleiter arbeiten?”

Darauf antworte ich immer: “Aber natürlich, das kann jeder! Jeder sollte sich aber richtig im klaren sein, dass man das nicht nur als “Rang” um sich hat, man muss dafür auch etwas tun und Einschnitte im Leben auf sich nehmen!”

Was ist mit Einschnitten im Leben gemeint?

Das Aufgabenumfeld zwingt einen Reiseleiter schon sehr zeitig mit der Planung zu beginnen, erst recht wenn die Buchungszahlen steigen, sich daraus resultierend viele neue Aufgaben entwickeln und sich die Region so oder so im weiteren Entwicklungsprozess befindet.

Eine Planung beginnt am besten Gestern!

Einblick der Planung als Screenshot

Einblick der Planung als Screenshot

Was bedeutet dies aber für ein Umfeld, dem sozialen Bereich und allem anderen?

Selber hat man Ziele wie Nachwuchs, finanziellen Entspannung, man will anständig mobil sein und auch sportlich weiter kommen. Für diese Punkte benötigt man im sozialen Bereich einen Zuspruch, gerade für den Nachwuchs (habe ich gehört) oder auch für den Sport (einen Trainingspartner). Ebenso benötigt man Elan, ein Plan und die Kraft vom Geist her jeden Tag Vollgas zu geben.

Setzt man viel an Planung, kapselt man sich dadurch im sozialen Bereich automatisch ab, schließt sich der Kreis wohl Möglich irgendwann nicht mehr und fällt herunter?

Leitet man sich im sozialen Umfeld automatisch zugrunde?

Fakt: Man hat es sich ausgesucht! Es gibt keinen Grund eine Schuld zu suchen, man sollte sich orientieren an dem was man hat und dies optimieren, das war der eigentliche Punkt weswegen man den Schritt vom “Betreuer” zum “Reiseleiter” gemacht hat. Verantwortung und Planung ist im Kopf fest verankert, jeder Mensch verarbeitet es anders.

Es kommt zu einem Flash im Kopf, welchen er schlecht und schwer verarbeitet, stell dir vor: 6 Monate planst, organisiert und denkst du nur an diesen einen Sommer, zugleich behältst du alle Optionen für den darauffolgenden im Auge und triffst im Sommer auf über 700 Kinder und 50 Ansprechpartner/Teammitglieder. Du hast nun die Aufgabe jeder Anfrage Herr zu werden, wirst mit Fragen und Problemen aufgesucht und das im Minutentakt und das bis zu 20 Stunden am Tag. Du hast jeden Tag Input, 70 Tage ohne Pause (selbst ein Eis ist keine Pause) und kommst dann nach Deutschland zurück, mit einmal fehlen diese vielen Menschen, diese klopfen nicht mehr an der Tür, rufen nicht mehr an und du hast das Gefühl: “Endlich Ruhe”, ABER: genau das ist der Flash, du kannst nicht von 110% auf 50% runterfahren, der Kopf steht auf diesen Input und hat diesen nun nicht mehr.

Eine Nachbereitung ist im Gange, die Gedanken legen sich auf das neue Jahr, du träumst davon und sitzt alleine vor dem TV da und weißt nicht wohin mit dieser Energie.

Dir fehlt der Trainingspartner? Du bist ein Rudeltier? Wohin mit dieser Energie?

Aus der Erfahrung her hat sich jeder Kontakt im sozialen Bereich verlaufen, welcher berechtigterweise abgeschreckt ist: “Was du bist 2 Monate nicht da? Du bist vorher schon an 3 Wochenenden nicht da (Schulungen), …”

Gibt man sich zu viel Mühe oder wird diese Regionalbedingt einfach nicht mehr geschätzt? Liegt es am biologischen Alter? Werden die Kreise nicht eh kleiner?

Wie kommt man weiter? Neue Wege? Neue Aufgaben?

Finden andere Reiseleiter dafür eine bessere Lösungen?

Fakt: Alle sind füreinander da, haben aber ebenso den Kampf mit sich auszufechten!

Eigene Versuche starten, anpacken, das was man als Reiseleiter macht! Leite dich selber!

Volleyball, Kraftsport, Fotografie und Co wurde umgesetzt, die Ernährung umgestellt (bis zu 20 KG an Gewicht abgenommen // auch wieder zugenommen). Ich meldete mich bei Onlineplattformen an, fand schnell heraus das es nichts für mich ist, geriet in einen Kreis der sozialen onlinekontakte oder fand Nachrichten per Whatsapp und Co sehr wichtig, dazu habe ich mich schon in einem anderen Artikel geäußert socialkommunikation ungleich zwei.null, = kacke hoch 3.

Man hängt in seinem Level des Gas-gebens, meldet sich bei Familie, Bekannten und Freunden, aber muss auch akzeptieren dass sich die Räder in der Planungsphase und Abwesenheit weitergedreht haben.

In den Sack hauen, die Position als Reiseleiter aufgeben?

Gerne arbeitet man daran was einem das Problem der Unzufriedenheit eigentlich bereitet hat. Aber sollte man die Funktion als Reiseleiter aufgeben? Ist das der richtige Weg?

Ich denke nicht, NEIN! Es bringt nichts von den verlorenen Kontakten oder dem allem etwas wieder was sich eh weitergedreht hat.

NEUE Wege müssen gegangen werden!

Die Überlegung ist sogar ein Besuch beim Psychologen, was nicht bedeutet dass man krank ist, man holt sich objektiven Rat bei unabhängigen Personen. Eventuell wird man jetzt denken: “Ein Reiseleiter muss dann direkt zum Kopfklempner?” Das ist natürlich nicht so gemeint! Ich spreche mit anderen Reiseleitern, Freunden und der Familie über meine Erfahrung, tausche mich aus und finde das mir eine völlig unabhängige Meinung nochmal gut tun würde. Ein Besuch beim Psychologen ist keinesfalls verkehrt, auch wenn ich davon nie fiel gehalten habe, warum denn nicht? Ich habe sogar erfahren das dieser, mittels einer Überweisung, kein Geld für einen selber kostet. Warum keinen Rat von extern holen? Lieber ausprobieren und sich dann nochmals ein Urteil bilden als sich denken: “Nee so ein Quark, der bringt mir eh nichts!”. Eventuell bringt er nicht die Erlösung, aber vielleicht einen neuen Denkanstoß!?

Dennoch sollte man auch irgendwann wissen wann mit dem “Mini-Auswandern” mal Schluss ist, aber solange man die Aufgaben gut bewältigt, alles zur Zufriedenheit umgesetzt wird, man noch als Mensch dem anderen Menschen gegenübertreten kann und nicht in einer Höhle wohnt, ist alles OK 😉

Man muss wieder empfänglich für neue Kontakte und Interessen werden, das Gespür entwickeln und ebenso ausstrahlen.

Vieles ist Positiv und wird meist vergessen!

  • Man ist unter vielen Menschen, lernt viele kennen
  • man genießt andere Kulturen
  • man genießt anderes Essen
  • man erhält andere Sympathien zu leben
  • man kann sich aus seinem beruflichen und generellen Alltag mal entfernen
  • man wird gefordert und gefördert in Kommunikation und Leistungsbeständigkeit
  • man kann alle Erfahrungen für die Karriere nutzen
  • man entwickelt Weitsicht, Verantwortung und Pflichtbewusstsein

Selber muss man entscheiden ob man diesen Tribut zahlen möchte, ebenso ob man diesen Reiseleiter-Jetlag verkraftet! Beachte das Gleichgewicht im sozialen Bereich, pflege und genieße es.

Reiseleiter-Jetlag?

Wenn du viel Zeit und Nerven in die Planung steckst, davon träumst wie du vor Ort agierst, dann irgendwann wieder zuhause ankommst und das alles indirekt vermisst und erst nicht so richtig weißt wie du dein “normales Leben” gestalten sollst, dann ist es ein “Reiseleiter-Jetlag”. Natürlich hängt das vom Menschen ab, bei mir ist es so, ich bin Feuer und Flamme für diese Tätigkeit, habe mir angewöhnt aber für alles Feuer und Flamme zu sein, es gibt immer nur 100% und daher ist das trennen für mich sehr schwer. Es ist kein Beruf, es ist ein Teil meines Lebens, erst recht wenn man sagt das man 11 Jahre dabei ist, das ist 1/3 des Lebens in dem man jeden Tag daran denkt. Man möchte es perfektionieren und weiß, dass wenn man nicht vorbereitet ist es einem richtig auf die Füße fallen kann. Die Angst etwas nicht richtig zu machen, es falsch zu leiten, die muss man bezwingen und wenn alles vorbei zu seien scheint ist die Angst dennoch da und der Kreis dreht und dreht sich, auch wenn man nicht mehr vor Ort ist.

Nichts ist umsonst!

In meiner Erfahrung habe ich herausgefunden, dass wenn man etwas schreibt, es gar zum Lesen an andere weiterleitet, sind die Reaktionen sehr unterschiedlich:

  • Ich bin aktuell schon 3 Jahre dabei, habe Ansätze aus diesem Artikel erkannt und kann sagen das diese sich gleichen …
  • Ich finde es gut das du etwas derartiges als Leitfaden anbietest, daran denkt man vorher nicht wirklich …
  • Ich finde die Schreibweise und den Artikel überhaupt nicht gut, du ziehst das Reiseunternehmen und den Job komplett runter, schreibst zu viel über deine Gefühle die du eindeutig vom “Job” trennen musst …
  • Sehr viele Informationen aus deinem Leben sind verbaut …
  • Gute Idee, ich habe ein ähnliches Vorhaben einen Leitfaden zu erstellen in einem anderem Berufszweig …

Ob Positiv oder Negativ, Meinung ist Meinung und sollte akzeptiert werden, nicht allen kann man es recht machen. Man geht mit jeder Verantwortung etwas ein und verändert automatisch sein Leben, weil man an viele Dinge völlig anders herangeht. Denkt man an das Kind sein, denkt man daran das man früher gar nicht gedacht hat, weiß man heute wie sehr man sich von seinen Aufgaben lenken lässt, aber auch viele Vorteile davon hat, man steuert sich selber und ist indirekt freier, man ist selber dafür verantwortlich wo die Reise hingeht 😉

Sollte sich der Artikel für jemanden anhören als würde ich das Reiseunternehmen für etwas die Schuld geben oder Ich mein Leben nicht im Griff haben, der irrt gerade weil ich darüber offen schreiben kann, den Mut habe mich der Öffentlichkeit und der Kritik zu stellen, ist alles OK und ich danke für die Möglichkeit mich weiterentwickeln, viel Vertrauen genießen zu dürfen und dafür respektiert zu werden ein Mensch mit Verantwortung und Pflichtbewusstsein zu sein!

Baustellen hat jeder in seinem Leben, Hinweise bekommt man eher selten, außer man erfragt diese, dann sind Tipps nicht weit weg 😉

Es heißt schon immer: “Wer nicht fragt bleibt dumm!

Du möchtest mir dazu eine Kritik schreiben? Möchtest Erfahrungen austauschen? Schreib mir an postkarte@normanhelbig.de